Sonntag, 17. September 2017

[Rezension] Hexenherz. Eisiger Zorn - Monika Loerchner



Europa, 1466: Als die Hexenverfolgung immer weiter um sich greift, schreitet die bisher geheime Elite der Hexen ein und offenbart: Jede Frau ist der Magie fähig! 

550 Jahre später wächst die junge Hexe und staatstreue Gardistin Helena in einer Gesellschaft heran, in der die Vorherrschaft der Frauen unumstößlich scheint. Sie träumt davon, weiter im Dienst der höchsten Hexe, der Goldenen Frau, aufzusteigen. Doch als sie Opfer einer Intrige wird und fliehen muss, gerät sie in die Fänge von Rebellen. Denn auch das stärkste Regime hat seine Fehler – und seine Feinde …
(Acabus



Der Roman kommt auf den ersten Blick wie ein Fantasy-Roman daher, auf den zweiten Blick erkennt der Leser jedoch, dass viele phantastische Bezüge einem historischen Roman entnommen worden sind und Monika Loerchner den Roman in einer alternativen Gegenwart angesiedelt hat. Dieses so geschaffene "Deutschland" ist sehr spannend und der Leser erfährt nach dem Motto "Was wäre, wenn", was passiert wäre, wenn die Hexen des Mittelalters real gewesen wäre und in welche Richtung es sich hätte entwickeln können.

Dies bedeutet, dass jede Frau magische Fähigkeiten besitzt und die Männer allesamt unterjocht wurden. Die Frauen erhalten eine Position in der Gesellschaft je nach ihrer Magiestärke und da das Erwachen der Macht and die weibliche Fortpflanzung gekoppelt sind, sind Mädchen und alte Frauen (Großmütter) fast genau so wenig wert wie Männer.

Eine der mächtigeren Hexen ist die Gardistin Helena, die sich dem System verschrieben hat, jedoch durcheinandergebracht wird, als sie erfährt, dass sich ihr eigener Bruder den Rebellen angeschlossen hat und sie angeklagt wird, weil sie ihn nicht gemeldet hat. Plötzlich findet sie sich auf der anderen Seite wieder und möchte eigentlich nur wieder zurück in ihr altes Leben - auch wenn das bedeutet vielleicht über Leichen gehen zu müssen und hinter dem Rücken der nun bekannten Rebellen agieren zu müssen. Sie sind ja immerhin böse, oder doch nicht?

Die Geschichte hat keinen typischen roten Faden und man kann sich nicht auf den typischen Spannungsaufbau verlassen. Das macht "Hexenherz" einerseits sehr spannend, weil der Leser nicht weiß wie es weitergeht und es immer wieder zu überraschenden Wendungen kommt, aber andererseits wirkt es dadurch stellenweise sehr langatmig und das Ende nicht ganz rund.

Mein größter Minuspunkt sind die Charaktere. Es gibt einfach viel zu viel. Sie alle haben Namen und Geschichten und ich war irgendwann heillos in einem Meer an Figuren verloren. Bis auf den Hauptcharakter Helena bekommen auch nur sehr wenige wirklich Tiefgang und es war mir oft nicht ersichtlich wer in wie weit wichtig ist oder wären könnte.

Und leider konnte ich mich auch mit Helena nicht identifizieren. Sie ist keine typische Heldin: sie ist arrogant, egoistisch, selbstbezogen und entspricht damit der typischen Frau im Roman. Die Frauen werden einfach so erzogen, dass sie sich für etwas Besseres halten. Natürlich passt sie deswegen sehr gut in die Geschichte herein und handelt ihres Charakters wegen auch sehr glaubhaft, dennoch war sie mir oft zu unsympathisch. 
Im Laufe des Buches legt sie Gott sei Dank einige ihrer Charakterzüge etwas ab und entwickelt sich weiter. Besonders ihre Beziehung zu dem kleinen Jungen Kolja geht ans Herz.

Der Schreibstil ist in einer Umgangssprache gehalten. Da typische Schriftsprache fehlt, war der Einstig etwas holprig, doch als ich einmal drin war, konnte ich das Buch in einem Rutsch lesen.


 

Eine sehr spannende Geschichte mit einer genialen Grundidee, die mich dennoch hin und wieder etwas irritiert zurückgelassen hat.
Ich weiß nicht ob "Hexenherz" ein Einteiler ist. Ich würde mir einen zweiten Teil wünschen, die geschaffene Welt ist so komplex, dass einfach nicht alles erklärt wurden konnte, ohne dass das Buch zu einem 1000-seitigen Schinken mutiert wäre.

Sonntag, 3. September 2017

[Rezension] Ashley Little - Niagara Motel




«Ich wurde in einem Waschsalon in Paris, Ontario, geboren. Wenn ihr Gina kennen würdet, wüsstet ihr, dass das gar nicht so merkwürdig ist. Gina ist meine Mutter. Sie sagt, sie ist Tänzerin. Sie meint damit, dass sie als Stripperin arbeitet. Und ab und an zieht sie das volle Programm durch, und dafür gibt es dann noch einen anderen Namen. Aber den darf ich nicht aussprechen.»
Tucker Malone ist elf Jahre alt. Zusammen mit Mutter Gina zieht er kreuz und quer durch Kanada, von Motel zu Motel. Tucker hat schon mehr von der Welt gesehen als die meisten Erwachsenen. Als Gina nach einem Unfall im Krankenhaus landet und Tucker im Jugendheim, beschließt er, dass nun der Zeitpunkt gekommen ist, endlich seinen Vater zu finden. Zusammen mit Meredith, sechzehn und schwanger, macht er sich auf die Reise in die USA, denn dort vermutet Tucker seinen Vater. Auf dem Highway Richtung Süden begegnen ihnen Glücksritter, Verrückte und Beladene. Und alle sind sie auf der Suche...
(Rowohlt)

Sonntag, 23. Juli 2017

Interview mit Poppy J. Anderson, Part 2 + Hörbuch-Gewinnspiel (feat. Luise von Cook Bake Book)


Was lange währt, wird endlich gut ...
Hoffe ich doch mal, denn es hat eine gefühlte halbe Ewigkeit gedauert bis ihr es endlich zu sehen bekommt: unser Interview mit Poppy J. Anderson.

Die Leipziger Buchmesse ist für mich jedes Jahr Pflicht und dieses Jahr durfte ich mich bereits zum zweiten Mal bei meiner lieben Freundin Luise von Cook Bake Book einnisten. 
Wir haben uns nicht nur beide für das Bloggertreffen mit Poppy J. Anderson angemeldet, wir hatten auch noch die Möglichkeit die Autorin zu interviewen.


Die "Taste of Love" Reihe ist mein erster näherer Kontakt mit Poppy gewesen und ich werde sicher noch einiges von ihr lesen. Meine Rezensionen zu Band 1 und Band 2 verlinke ich Euch mal noch, falls ihr nachlesen wollt wie begeistert ich war.

Da das Interview so furchtbar lang geworden ist, haben Luise und ich es gesplittet. Sie hat gestern mit den ersten Fragen den Anfang gemacht:


Wir hatten es ja gerade schon mal von Schottland. Wie kommt es denn, dass deine Bücher alle in den USA spielen? Warum nicht Schottland oder Deutschland?
Ich schreibe auch mal was, das in Schottland spielt, versprochen. Ich finde die USA als Land einfach total faszinierend, weil man verschiedene Bereiche hat. Also zum Beispiel so neurotische Städte wie New York oder ein bisschen gechillter dann San Francisco und man hat auch einfach so eine tolle Naturszenerie. Man kann da so ein bisschen Richtung Texas oder Rocky Mountains gehen, das ist einfach so eine Vielfalt. Was ich auch selbst immer gern gelesen habe, sind fremde oder exotische Orte und da lasse ich auch meine eigenen Geschichten gerne spielen. Ich finde das interessanter und lebendiger, als wenn ich es zum Beispiel im Sauerland oder irgendwo anders in Deutschland spielen lasse. Dann hat man so ein Kopfkino, kann sich hinträumen, deshalb lesen ja viele Menschen überhaupt Bücher. Genauso ist es bei den Figuren. Ich möchte doch lieber beschrieben haben, wie so ein Supermodel sich auszieht anstatt Homer Simpson. Das finde ich dann einfach so unerotisch. Und so ist es eigentlich auch beim Ort. Wenn ich zum Beispiel vom Dorf komme, ist das sicher trotzdem schön zu lesen, wenn es dort spielt, aber ich möchte dann auch einfach mal was anderes haben. Das heißt ja nicht, dass die Figuren strahlende Schönheiten sein sollen, denen es immer gut geht. Ich möchte ja auch, dass sie Probleme haben und etwas dahinter steckt.

Wir finden es aber auch toll, wie charakterstark die Frauen bei dir sind.
Ich bin einfach kein Fan von diesen Geschichten – ich sage jetzt nicht den Titel: Naives, schüchternes unschuldiges Wesen, das noch nichts im Leben gesehen hat und sich noch nie im Leben die Beine rasiert hat, trifft auf den 27 Jahre alten, welterfahrenen, erfolgreichen, reichen „Ich kann fliegen, ich kann einen Hubschrauber manövrieren, ich kann eine Yacht segeln, ich kann eigentlich alles, wenn ich mal 5 Minuten Zeit habe, werde ich auch ein Mittel gegen Krebs finden“-Kerl. Ich find es halt besser, wenn die Frau auch was kann. Sie muss nicht gerettet werden, sie sollten sich gegenseitig ergänzen. Die Verhältnisse müssen einfach stimmen.

Hast du ein reales Vorbild vor Augen, wenn du eine Person schreibst? Schauspieler oder so?
Das ist nicht immer der Fall, aber manchmal natürlich schon. Dann hat man irgendwie so einen neuen jungen Schauspieler und ist gerade auf der Suche nach einer neuen Figur und dann denkt man: „Na der ist super. Das würde super passen“. Aber der verselbstständigt sich dann trotzdem. Er hat dann einen ganz anderen Charakter als der Schauspieler. Aber irgendwas hat man immer vor Augen. Das muss jetzt auch nicht immer ein realer Mensch sein, sondern zum Beispiel auch eine Figur aus einem Film. Die hat dann Charaktereigenschaften, die man übernimmt. 

Du kochst ja selbst sehr gerne. Warum hast du dich bei den Büchern für die Küche Neuenglands entschieden?
Ja. Ich finde in den USA kann man generell voll gut essen, auch so alles Mögliche. Ist ja nicht nur Italienisch, wie wenn man in Italien ist, sondern das ist ja eine ganz eigenständige Küche und ich finde halt Neuengland schön, weil das viel mit Meeresfrüchten, viel mit Fisch ist, aber dann auch Blaubeeren. So dieses typisch deftige, was man so kennt. Auch Stampfkartoffeln und Shepard’s Pie. Das finde ich schon nett. Und schön finde ich auch in diesem ersten Band, dass man diese Haute Cuisine, die er so kocht, hat. So ein bisschen chi chi, bisschen abgehoben, so minimalistische Portiönchen. Auf der anderen Seite hat man dann aber doch dieses deftige Essen.

Wie sieht eigentlich auch besonders in Bezug auf das Kulinarische deine Recherchearbeit aus?  Woher kennst du all die Fachbegriffe z.B. aus der Haute Cuisine?
Jaaa. Also ich habe auch schon immer so ein bisschen ein Faible für Haute Cuisine gehabt, weil mein Vater auch so ein kleiner Gourmet ist und wir früher auch immer viel essen gegangen sind. Und ich habe auch schon an drei Kochshows im Fernsehen teilgenommen und da war man dann auch in einer echten Sterneküche und hat da wirklich viel mitbekommen. Ich habe immer gerne solche Bücher gelesen, auch so richtig Kochbücher aus gehobener Küche. Ich war auch im Restaurant vom Freund meiner Eltern und habe mir den Alltag angeguckt, damit man auch weiß, worüber man schreibt, weil die Hektik einer Restaurantküche natürlich auch etwas ganz anderes als das ist, was man zu Hause hat. Ich habe auch unheimlich viele Kochbücher gewälzt, die lagen immer neben meinem Schreibtisch und dann habe ich angefangen über Rezepte zu schreiben. Dann musste der Protagonist beschreiben wie das schmeckt und ich saß nur so da: „Hunger“. Das Schreiben war so gemein. Während des Schreibens hat man echt nur Hunger. Nicht Appetit! HUNGER!

Momentan ist ja die „Taste of Love“ Reihe so ein bisschen dein Hauptaugenmerk, oder?
Ja. Ich bin auch momentan mitten im Schreiben von Band 3. Der ist bald fertig und danach gucken wir dann direkt mal wegen Band 4.

Und die sind ja auch unabhängig voneinander lesbar, das finden wir sehr schön.
Und das finde ich auch bei so Trilogien doof, die dann mit so einem Cliffhanger angelegt sind und man denkt sich dann: Ja, wann kommt den das nächste? Ja, in anderthalb Jahren. Hallo? Ich will jetzt wissen wie es weitergeht. Also ich möchte das meinen Lesern nicht antun. Das ist immer abgeschlossen, aber man erfährt halt im nächsten auch immer wieder was Neues über die alten Figuren.

Sophie liest gerade den zweiten Teil. Hinten ist ein Irish Stew Rezept drin und der Protagonist Nick hat irische Wurzeln. (Sie war gerade ein halbes Jahr dort und hat eine kleine aber feine Irland-Obsession ;)) Gibt es einen bestimmten Grund für diesen Bezug zu Irland?
Nein, das hat jetzt keinen speziellen Grund, aber die Iren haben einfach einen so tollen Menschenschlag. Die sind so offen und lebendig und dann stellt man sich natürlich ein paar Klischees vor und sie sind halt so lebhaft und leidenschaftlich, das passte unglaublich gut zu Nick. Und dann hat man da noch das Arbeitermilieu vor Augen und kann das schön verbinden. Ein Koch, der unbedingt Sternekoch werden möchte, der sehr ehrgeizig ist, der aber eben auch aus dem Arbeitermilieu kommt. Das ist einfach eine super Geschichte, finde ich.


Jetzt haben wir noch ein paar schnelle Dies oder Das Fragen. 

E-Book oder Print?
Beides.

Im Internet kaufen oder im Buchladen stöbern?
Im Buchladen stöbern.

Kochen oder Backen?
Kochen. Meine Schwester backt eher. 

Kaffee oder Tee?
Tee. Ich trinke keinen Kaffee.

Lesen im Bett oder auf der Couch?
Bett. 

Bibliothek oder Buchhandlung?
Bibliothek.

Wir plaudern noch ein bisschen miteinander und verlassen Poppy J. Anderson schließlich mit ganz viel Hunger und Appetit auf ihre kommenden Bücher.
Vielen Dank für dieses wundervolle und sehr unterhaltsame Interview.




Luise und ich verloren je einmal ein Hörbuch zu Poppy J. Andersons erstem "Taste of Love" Band. Einfach das Formular ausfüllen und Glück probieren.
Ein Buch könnt ihr bei mir gewinnen, eins bei ihr. Achtung, es gibt zwei Formulare! 

Gewinner:
  • Das Gewinnspiel läuft bis einschließlich 30. Juli 2017.
  • Du bist mindestens 18 Jahre alt und wohnst in Deutschland.
  • Du bist Leser meines Blogs über einen der folgenden Kanäle: Google Friend Connect, E-Mail-Abo, Bloglovin oder Facebook.
  • Du kannst nur eines der beiden Hörbücher gewinnen. Nimmst du ebenfalls bei Sophie teil, erhöht das entsprechend deine Gewinnchance.
  • Im Gewinnfall benachrichtige ich dich per E-Mail. Meldest du dich daraufhin nicht innerhalb von 7 Tagen, lose ich neu aus.
  • Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Ich übernehme keine Haftung, falls die Sendung verloren geht.